Buch des Monats

CELESTE NG – WAS ICH EUCH NICHT ERZÄHLTE

Eine Kleinstadt in Ohio, ein Haus, ein See – ein junges Mädchen wird vermisst. Der Junge, der es wohl zuletzt sah, schweigt. Das Mädchen heißt Lydia Lee, entstammt einer amerikanisch-chinesischen Familie: drei Kinder; der Vater Einwanderer der zweiten Generation, Wissenschaftler, Universitätsdozent; die Mutter, Amerikanerin, einst angehende Medizinerin, hat sich für die Familie und gegen den Beruf entschieden. Lydia ist das Lieblingskind ihrer Eltern, ernsthaft, freundlich, verantwortungsbewusst, eine gute Schülerin. Als sie eines Morgens nicht am Frühstückstisch erscheint, weist zunächst nichts auf schwelende Konflikte oder gar eine Tragödie hin.
Celeste Ng interessiert jedoch gerade dieses nichts: Das Ungesagte in einer augenscheinlich intakten Familie, das Verborgene, das einen unhörbaren Grundton erzeugt. Die Autorin entfaltet eine Geschichte, in der es weniger darum geht, was geschehen ist – warum es geschehen ist, das ist die Frage. Ein fesselndes Familienporträt das zeigt, wie Mütter und Töchter, Väter und Söhne, Frauen und Männer immer wieder darum ringen einander zu verstehen und wie häufig sie daran scheitern.

Celeste Ng (sprich: Ing) wuchs auf in Pittsburgh, Pennsylvania und in Shaker Heights, Ohio. Ng studierte in Harvard und machte ihren Master an der University of Michigan. Sie schrieb Erzählungen und Essays, die in verschiedenen literarischen Magazinen erschienen und mit dem Hopwood Award und dem Pushcart Prize ausgezeichnet wurden. Was ich euch nicht erzählte ist ihr erster Roman.

Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit
dtv, 288 Seiten, € 19,90

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