Buch des Monats

MARLON JAMES – EINE KURZE GESCHICHTE VON SIEBEN MORDEN

Marlon James erhielt für Eine kurze Geschichte von sieben Morden als erster jamaikanischer Autor 2015 den Man Booker Prize, der als wichtigste Auszeichnung in der englischsprachigen Literatur gilt.
Jamaika 1976: Sieben bewaffnete Männer dringen in das Haus des Reggae-Musikers Bob Marley ein und eröffnen das Feuer. Es gibt mehrere Schwerverletzte, Bob Marley aber überlebt wie durch ein Wunder leichtverletzt. Dazu muss man wissen, dass Bob Marley und sein Haus eigentlich unantastbar, heilig für die Jamaikaner war. Und dennoch gab es diese Attacke. Marlon James erzählt aus verschiedenen Perspektiven die Geschehnisse rund um das Attentat und verwebt einen Chor diverser Stimmen zu einem Sittenbild Jamaikas in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Gangster, CIA Agenten, Journalisten, Nutten, gewöhnliche Einwohner, die Attentäter, Politiker, Manager, Tote und Lebendige: alle kommen zu Wort und berichten uns in unterschiedlichsten Sprachformen und Intensitäten ihre Version der Geschichte, die in einem Land passierte, welches zur damaligen Zeit ein Spielball mitten im Kalten Krieg war. Die USA befürchteten ein zweites Kuba, Jamaika driftete immer mehr in Richtung Sozialismus, die Insel war vor den Wahlen in zwei Lager geteilt. Kriminelle kontrollierten das Land.
Das Ganze ist ein wuchtiger, atemlos erzählter, intensiver, dreckiger, schonungsloser, furioser Thriller. Eine Demonstration der Erzählkunst.

Marlon James wurde 1970 geboren. Mehr als zehn Jahre arbeitete er als Werbetexter und Grafikdesigner. Sein erster Roman John Crow’s Devil erfuhr über siebzig Ablehnungen, ehe er einen Verlag fand und in der Folge als bestes Debüt für den »Los Angeles Times Book Prize« und den »Commonwealth Writers’ Prize« nominiert wurde. Für sein 2009 erschienenes Nachfolgewerk The Book of Night Women über eine Revolte jamaikanischer Sklavinnen während der Kolonialzeit erhielt James den »Dayton Literary Peace Prize« und den »Minnesota Book Award«. Als erster Jamaikaner erhielt James den »Man Booker Prize«. Marlon James lebt offen homosexuell und hat seine Heimat wegen der dort vorherrschenden Ressentiments und teils gewaltsamer Übergriffe verlassen. Er lebt heute in Minneapolis, Minnesota.

Aus dem Englischen von Guntrud Argo, Robert Brack, Michael Kellner, Stephan Kleiner, Kristian Lutze
Heyne Hardcore, 864 Seiten, € 27,99

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Buchtipps | 1/2017

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