Gedicht des Monats

SØREN ULRIK THOMSEN – RYSTET SPEJL / ZITTERSPIEGEL. DIGTE / GEDICHTE

Entschuldige den späten Anruf.
Die Zeit ist offenbar vorbei
da ich mich als etwas besonderes fühlte
weil ich irgend jemand war
in der endlosen Transithalle der Welt
und die Tristesse der Hotels
geradezu ein Teil der Magie.
Denn als ich soeben
dasaß und auf meine
nicht länger jungen Hände schaute
erfaßte mich Furcht
vielleicht nie wieder
deine Stimme zu hören wie sie meine wiedererkennt
wenn ich mich zum Schlafen hinlege
zwischen den allzu weißen Laken
von Zimmer 1007.

Undskyld jeg ringer så sent.
Den tid er åbenbart forbi
hvor jeg følte mig som noget særligt
ved at være hvem som helst
i verdens endeløse transithal
og hotellernes tristhed
ligefrem var en del af magien.
For da jeg for et øjeblik siden
sad og kiggede ned
på mine ikke længere unge hænder
blev jeg grebet af rædsel
for måske aldrig mere
at høre din stemme genkende min
hvis jeg lagde mig til at sove
i det alt for hvide sengetøj
på værelse 1007.

Søren Ulrik Thomsen, geboren 1956, lebt in Kopenhagen. Er ist einer der bedeutendsten Dichter
Dänemarks, Stipendiat des Staatlichen Kunstfonds auf Lebenszeit und seit 1995 Mitglied der Dänischen Akademie. Er debütiert 1981 mit „City Slang”, „Rystet spejl” (2011) ist seine siebte Gedichtsammlung, die 2013 auch als Album erscheint, das er mit 7 jungen Musikern einspielt. Schon 1993 ist der weiterhin lieferbare Gedichtband „Hjemfalden / Anheimgefallen” in der Übersetzung von Ursula Schmalbruch mit Zeichnungen von Annemette Larsen erschienen.

Aus dem Dänischen von Klaus-Jürgen Liedtke
Kleinheinrich, 100 Seiten, € 30,-

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